Die Nacht der Fledermäuse

Mit Beginn der Dämmerung werden sie aktiv und flattern lautlos durch Parkanlagen und Gärten. Fledermäuse verlassen erst nach Sonnenuntergang ihre Schlafplätze in Baumhöhlen, Gebäudespalten oder auf Dachböden, um sich auf Nahrungssuche zu begeben. Und weil wir sie nur selten zu Gesicht bekommen, vergessen wir diese kleinen, unter Naturschutz stehenden Mitbewohner auch allzu oft: Wir bauen Häuser, die ihnen keinen Unterschlupf mehr gewähren, fällen alte Bäume, deren Höhlen sie bewohnen und nutzen die Landschaft in einer Weise, die den Nachtschwärmern immer weniger Nahrung bietet. Dabei sind Fledermäuse Insektenfresser und eine Fledermaus vertilgt jede Nacht eine Insektenmenge, die etwa ein Drittel ihres eigenen Körpergewichts entspricht. Auf dem Speiseplan stehen bis zu 4.000 (!!!) Mücken, Schnaken, Fliegen, Nacht- und Tagfalter, Käfer, aber auch Spinnen und Hundertfüßer.

Bat Night 2017

Die Organisatoren und Besucher vor der Wasserburg Gastendonk

Alle derzeit rund 25 heimischen Fledermausarten sind bedroht, daher hatte der NABU am 27. September zur „Fledermausnacht“ ins Wasserschloss Gastendonk eingeladen. Hier leben besonders viele und zahlreiche Arten, ein idealer Treffpunkt für solch eine Informationsveranstaltung. Michael Müller, Fledermausexperte von der Ortsgruppe des NABU Krefeld, berichtete und erklärte den zahlreich erschienenen und interessierten Besuchern alles rund um die einzigen aktiv fliegenden Säugetiere.

Zuvor hatte Karl Heussen vom Heimatverein Krefeld-Hüls den Besuchern bei einer kleinen Führung die Wasserburg Gastendonk gezeigt und einiges hierüber berichtet. Diese befindet sich im Nordosten des Kempener Ortsteil St. Hubert direkt an der Stadtgrenze von Krefeld. Es handelt sich hier um einen ehemaligen Rittersitz, dessen Anfänge bis etwa zum Jahr 1000 zurückverfolgt werden können. Der Name mit der Endsilbe „Donk“ deutet auf eine Lage des ersten Bauwerks auf einer natürlichen Erhebung in einem wassereichenen Gebiet hin, eine Bezeichnung, die am Niederrhein sehr häufig anzutreffen ist. Eine erste urkundliche Erwähnung des Namens Gastendonk stammt aus dem Jahr 1274. Im 14. Jahrhundert befand sich der Rittersitz im Besitz der Ritter von Eyll.

Nach dieser Führung dämmerte es und die ersten Schatten huschten bereits durch die Luft – ein gutes Zeichen für die einsetzende Aktivität der Fledermäuse. Mit einem Ultraschall-Detektor konnten sogar einige Fledermausrufe für die Anwesenden hörbar gemacht werden.

An einem kleinen Informationsstand gab es allerlei Wissenswertes über die Tierchen, deren Name eigentlich „Flattermaus“ (ahd. fledarmūs, zu ahd. fledarōn „flattern“) bedeutet.

Georg Lüdecke von der NABU- Ortsgruppe Kempen-St.Hubert-Tönisberg bot zahlrieche, verschiedene Fledermauskästen an, die eine jeder von uns in seinem Garten an einem geeigneten Platz und geeigneter Höhe hinhängen kann und somit einen adäquaten Unterschlupf für die nachtaktiven Tierchen zu schaffen. Hierbei sei erwähnt, dass jeder, der sein Haus bzw. Garten mit einem solchen Kasten ausstattet, sich als „Fledermausfreundliches Haus“ auszeichnen lassen kann und nach entsprechender Begutachtung eine Plakette dafür erhält.

Weitere Infos hierzu auch unter www.fledermaus-willkommen.de oder bei den Ansprechpartnern des NABU Kempen unter www.nabu-kempen.de

In St.Hubert gibt es bereits zahlreiche solcher privat errichteten Unterschlüpfe. Mit etwas Stolz darf an dieser Stelle schon mal verraten werden, dass das Kendeldorf allerbeste Aussichten hat, vom Landesumweltministerium in Kürze als „erstes fledermausfreundliches Dorf in NRW“ ausgezeichnet zu werden. Wir werden auf jeden Fall zeitnah hierüber berichten.

Jörn Schulte
(Hubertusbote 614, Sept. 2017: S. 25)

 

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