Erhalt gefährdeter Tiere und Pflanzen in Krefeld

Der Hülser Spinnenforscher Herbert Casemir entdeckte Anfang der 50er Jahre auf Krefelder Stadtgebiet eine Spinnenart, die in ganz Deutschland seit 70 Jahren als ausgestorben galt: In einem Tümpel im Hülser Bruch hatte die Zwergkreuzspinne Theridiosoma gemmosum einen geschützten Lebensraum gefunden. Im Jahr 1999 erwarb der Naturschutzbund (NABU) den Tümpel und die angrenzende Fläche, um das Andenken an diesen Fund, der im Frankfurter Senckenberg Naturmuseum dokumentiert ist, aufrecht zu erhalten.

Um die Pflege dieser und weiterer für die niederrheinische Natur und Kultur typische Gebiete kümmert sich die Stiftung Krefelder Natur- und Kulturlandschaften des NABU Krefeld/Viersen. „Ziel der Stiftung ist es, im Bereich Krefeld und Viersen frei werdende Flächen zu erwerben, als Rückzugsgebiete für gefährdete Pflanzen und Tiere zu gestalten und für künftige Generationen zu erhalten“, erklärt das Vorstandsmitglied Bodo Meyer. So ergeben sich über ein großes Areal verteilt zahlreiche Oasen für die ursprüngliche, heimische Fauna und Flora. Damit tritt der Naturschutz nicht in Konkurrenz zu Besiedlung und industrieller und landwirtschaftlichen Nutzung, sondern bildet vielmehr eine Ergänzung dazu.

Die Stiftung finanziert sich durch Geldspenden oder die Überschreibung von Flächen, beispielsweise aus Erbschaften. Bei ihrer Gründung im Jahre 2003 betrug das Stiftungskapital 50.000 €. Inzwischen ist es auf 500.000 € angewachsen. Von den insgesamt 54 Flächen im Verband Krefeld/Viersen liegen 19 Flächen auf Krefelder Stadtgebiet. Zusammengenommen umfassen die Flächen aktuell ein Gebiet von 428.000 m2.

Die Krefelder Flächen befinden sich vornehmlich in Hüls, Traar, Linn und Gellep-Stratum und umfassen unterschiedliche, für den Niederrhein typische Vegetationstypen. Dazu gehören Wiesen, Waldgebiete, alte Eichenbestände, trockene und feuchte Heidegebiete aber auch Areale wie Teiche, wasserführende Gräben oder Teile von Bächen. Ziel bei all diesen Gebieten ist es, nach dem Erwerb den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. Dies geschieht durch ein sofortiges Einstellen jeglicher Düngung und vorsichtiges Auslichten von invasiven Pflanzen wie Brombeeren oder dichten Büschen und  Bäumen. Dadurch kann sich die ursprüngliche, heimische Vegetation erholen. An den Ufern der Gewässer wachsen so beispielsweise wieder Binsen, Schwertlilien und Schilf. Die renaturierten Flächen bieten Vogelarten wie der Rohrammer, dem Teichrohrsänger oder den Raubvogelarten Rot- und Schwarzmilan Nahrung und Schutz, und Graureiher nutzen die wieder zugänglich gewordenen Wasserflächen. In den kleinen Gewässern des Latumer Bruchs in Linn und Gellep-Stratum lebt der Kammmolch, eine geschützte Amphibienart, die bis zu 18 cm lang werden kann.

Neben dem Schutz von Pflanzen- und Tierarten hat es sich die Stiftung Krefelder Natur- und Kulturlandschaften auch zur Aufgabe gemacht, typisch niederrheinische Kulturlandschaften zu erhalten. Daher pflegen sie mehrere Kopfweiden durch regelmäßigen Rückschnitt und haben ein vor 1950 durch Entwässerungsgräben trockengelegtes Gebiet erworben, auf dem die traditionelle Art der Holzgewinnung mit Erlen, Weiden und Eschen weitergeführt wird.

Für die Redaktion:
Weitere Informationen zu diesem Thema erhalten Sie hier:
http://www.stiftung-naturlandschaften.de

oder bei
Bodo Meyer
Vorstandsmitglied der „Stiftung Krefelder Natur- und Kulturlandschaften“
Tel.: 02151 43257
E-Mail: meyer@nabu-krefeld-viersen.de

Dr. Sandra Joppen-Hellwig
NABU Krefeld/Viersen
Handy: 0173 7471776
E-Mail: sandra_joppenhellwig@yahoo.de

Bodo Meyer mit Herbert-Casemir-Gedenkstein

Foto: NABU Krefeld/Viersen
Bodo Meyer mit dem Herbert-Casemir-Gedenkstein

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